Der Koloss von Rhodos – Eines von 7 Weltwundern erleben

Die Rhodier huldigten den Sonnengott Helios und sollen ihm dereinst und monumentales Götzenbild errichtet haben. Wer dieser Tage in der gleichnamigen Inselhauptstadt weilt, sieht sich vergeblich nach diesem Bauwerk um – der Koloss von Rhodos existierte nur 66 Jahre und meint damit das kurzlebigste der Sieben Weltwunder.

Die Frage nach dem „Wo?“

Nachdem das antike Rhodos zusehends an Bedeutung verlor, erlebte die Insel im Mittelalter eine erneute Blütezeit. Der Johanniterorden baute einen gewaltigen Großmeisterpalast und verwinkelte Gassen, pittoreske Kirchen sowie eine Moschee wurden errichtet. Das romantische Ideal eines historischen Zentrums lädt bei Reisen gen östlicher Ägäis zu einer kleinen Erkundungstour ein und macht es den Urlaubern dennoch schwer, noch tiefer in die Geschichte zu blicken.

Es hält sich hartnäckig die Mär, dass der Koloss dereinst über der Hafeneinfahrt aufragte und das eine Bein auf der St.-Nikolaus-Mole, das andere auf der Mühlen-Mole stand. Wer zu den beiden heute noch existenten Landzungen vorwandert und die hübschen Windmühlen bestaunt, die dort dereinst errichtet wurde, wird alsbald verstehen, dass es sich dabei um eine bloße Legende handelt. Der Schritt des Helios hätte stolze 750 Meter breit sein müssen, wäre dies tatsächlich sein Standort gewesen – architektonisch unlösbar!

Dem Koloss auf der Spur

Weg zum Koloss von Rhodos

Bis ins 18. Jahrhundert sahen die Menschen Europas die Legende des am Hafen stehenden Riesen als wahr an, doch erste Zweifel wurden laut. Bis dato dauert die Epoche an, da sich Wissenschaftler und Archäologen mit der Suche nach dem Standbild beschäftigen und immer wieder neue Theorien entwickeln, von wo aus Helios auf seine inbrünstigen Verehrer hinabblickte. Am wahrscheinlichsten treffen geschichtsinteressierte Reisende in den noch wenig erforschten Ausgrabungsstätten des Stadions auf ihn.

Dort hielten die Rhodier nachweislich jährlich die Spiele zu Ehren des Helios ab – der perfekte Ort für ein monströses Abbild desselben. Im Jahre 1938 wurde das Areal ausgegraben und ist seither auch als Besucherzentrum gestaltet. Doch die wissenschaftliche Auswertung lässt noch auf sich warten. Für Reisende ergibt sich so die einmalige Gelegenheit, selbst auf Entdeckungstour zu gehen und sich sogar möglicherweise als Enthüller eines uralten Geheimnisses zu fühlen.

Das Symbol für den Größenwahn

Antiken Aufzeichnungen zufolge war die Helios-Statue 30 Meter hoch und brauchte zwölf Jahre bis zur Fertigstellung. Sie soll aus Gusseisen konstruiert worden sein. Dieses lieferten angeblich die zurückgelassenen Waffen des mazedonischen Feldherrn Demetrios I. Poliorketes. Helios habe den Bewohnern von Rhodos angewiesen des nachts einen großen Graben auszuheben, in den die neunstöckige Belagerungsmaschine der Angreifen anderntags fiel. Die Mazedonier ergriffen die Flucht und ließen ihre gesamte militärische Ausrüstung zurück.

Auch wenn diese Behauptung den geschichtlichen Fakten nicht ganz standhält, so gilt doch als gesichert, dass die Rhodier den Krieg mit ägyptischer Unterstützung gewannen und daraufhin ein ausschweifender Bauboom begann. Dieser Sieg sollte schließlich gefeiert werden. Zunächst orderten die Verantwortlichen ein 18 Meter hohes Götzenbild ihre Erretters. Das erschien vielen dann doch als zu klein und die Maße wurden verdoppelt.

Seither steht der Koloss von Rhodos als Sinnbild für das gierige Streben nach Größe. Schon 226 vor Christus machte ein Erdbeben diese Utopie zunichte.

Alte Tempel auf Rhodos

Antike Impressionen auf der Sonneninsel

Dass Rhodos sich den Sonnengott als Schutzmacht erkor, kommt nicht von ungefähr. Wer auf dem griechischen Eiland weilt, durchstreift antike Ausgrabungen bei herrlichstem Wetter und bekommt deshalb die Gelegenheit geboten, an den feinsandigen Stränden der Region über dieses so sagenumwobene Weltwunder zu reflektieren.

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