Urlaub in der Türkei – Sollte man bei der politischen Lage dort Urlaub machen?

Der Putschversuch des türkischen Militärs, die außenpolitischen Querelen zwischen Ankara und Berlin und die harte Vorgehensweise Erdogans gegenüber Oppositionellen schreckt viele Urlauber ab. Unter welchen Vorzeichen eine Türkeireise sinnvoll ist, klären die folgenden Ausführungen.

Das Wo? und Wie? ist entscheidend

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland rät Urlaubern dazu, sich genau zu überlegen, in welchen türkischen Regionen sie ihren Aufenthalt verbringen möchten.

  • Istanbul und Ankara, die beiden größten Metropolen des Landes bergen ein erhöhtes Risiko
  • in der Grenzregion zu Syrien besteht eine potentiell höhere Gefahr
  • in sämtlichen Großstädten kann es verstärkt zu Demonstrationen, Aufständen oder terroristischen Angriffen kommen

Außerdem wird davon abgeraten auf eigene Faust zu einer Rundreise aufzubrechen. Überlandfahrten können mit zeitaufwändigen Polizeikontrollen einhergehen. An der Schwarzmeerküste und an den Stränden von Antalya herrscht eine relative Sicherheit. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Touristen dort einer besonderen Gefahr ausgesetzt wären. Deshalb spricht nichts gegen einen Hotelurlaub in Alanya, Kemer oder Side.

Video: Gespalten nach dem Putsch – Wohin steuert die Türkei? | Weltspiegel Extra

Wichtig: umsichtiges und überlegtes Verhalten

Weil die türkische Regierung nach dem Putschversuch vom 20. Juli den Notstand ausgerufen hat, kann es landesweit zu verstärkten Kontrollen durch die Polizei kommen. Es sei Reisenden deshalb ans Herz gelegt, allzeit ihren Personalausweis mitzuführen.

Außerdem muss sich auf längere Wartezeiten beim Betreten oder Verlassen berühmter Sehenswürdigkeiten eingestellt werden. Es gilt, Menschenansammlungen zu meiden und um Demonstrationen einen großen Bogen zu machen. Gerade Familien mit kleinen Kindern sollten solchen Situationen aus dem Weg gehen und sich vorrangig innerhalb der Hotel- oder Clubanlage aufhalten.

Bestenfalls zeigen sich Urlauber kooperativ und nehmen die Verzögerungen gelassen und ohne sich zu beklagen hin. All jene Szenarien sind jedoch verstärkt in Städten zu erwarten. Wer in den ländlichen Urlaubszentren an den Küsten Ferien macht, wird von den Repressalien kaum etwas mitbekommen.

Die Türkische Riviera ist nicht Ankara!

Die Diskrepanz zwischen den herrlichen Stränden im Landessüden und den Millionenmetropolen ist groß. Die Türkei weiß um die Wichtigkeit der Tourismusbranche für die nationale Wirtschaft und wird es deshalb unterlassen, Reisende zu verschrecken.

Bei einem Pauschalurlaub an einem türkischen Strand besteht demnach kein höheres Risiko als in spanischen, griechischen oder deutschen Urlaubszentren. Der internationale Terrorismus, der mit der innenpolitischen Lage des Landes nur bedingt zu tun hat, bedroht Türkeireisende nicht intensiver als Urlauber, die in Italien, Kroatien oder auf Malta ihre Ferien verbringen.

Deshalb darf sich auf der Sonnenliege am Cleopatra Beach vor Alanya genauso sicher gefühlt werden wie in einer Badebucht auf Sardinien oder Korsika.

Keine Alleingänge und bevorzugt an den Küsten

Weil die Türkei herrliche Städte, antike Highlights und landschaftliche Leckerbissen zu bieten hat, fällt es vielen Urlaubern schwer zu akzeptieren, dass dieses wunderbare Land aktuell nur bedingt als Destination taugt. Jedoch: stabilisiert sich die Lage, kann wieder ungeniert gereist werden.

Titelbild: © istock.com –  Anita_Bonita